Der Stuttgarter Talkessel mit seinen quartären Auffüllungen und den darunter anstehenden Gipskeuper-Schichten stellt eine geotechnische Herausforderung dar, bei der die konventionelle Sondierung oft an ihre Grenzen stößt – der CPT-Versuch liefert hier ein durchgehendes Profil ohne Probenverlust. Wir setzen die Drucksondierung mit einem 20-Tonnen-Raupengerät ein, das Spitzendruck, Mantelreibung und Porenwasserdruck simultan aufzeichnet und damit die Stratigraphie der bis zu 15 Meter mächtigen Talablagerungen auflöst. In Kombination mit dem SPT-Bohrung zur Gewinnung gestörter Proben aus den Anhydritbänken erhalten Sie ein vollständiges Baugrundmodell, das die Anforderungen des Eurocode 7 (DIN EN 1997-2) erfüllt und vom Prüfingenieur anerkannt wird.
Ein CPT-Profil mit 1 cm Tiefenauflösung liefert mehr Bodenschichteninformation als zehn Bohrungen mit gestörter Probenahme – bei einem Drittel der Untersuchungszeit.
Standortspezifische Faktoren
Die städtebauliche Entwicklung Stuttgarts vollzog sich in mehreren Bauphasen, die tiefgreifende Spuren im Baugrund hinterlassen haben. Das heutige Neckar-Tal ist eine anthropogen überformte Landschaft mit mächtigen Trümmerschuttlagen aus dem Zweiten Weltkrieg, die stellenweise bis zu 8 Meter Tiefe erreichen und ein extrem heterogenes Korngerüst aus Ziegelbruch, Beton und Holzresten aufweisen. Wer in diesen Auffüllungen eine Drucksondierung ohne Porenwasserdruckmessung durchführt, riskiert Fehlinterpretationen, weil der Spitzendruck durch grobe Einschlüsse verfälscht wird. Das geotechnische Risiko liegt nicht nur in Setzungsdifferenzen, sondern auch in der Sulfataggressivität des Gipskeupers, die eine Betonkorrosion nach DIN 4030-2 auslösen kann und eine Expositionsklasse XA2 oder XA3 erfordert.
Normativer Rahmen
DIN EN ISO 22476-1:2013-04 – Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Felduntersuchungen – Teil 1: Drucksondierungen mit elektrischen Messwertaufnehmern und Messeinrichtungen für den Porenwasserdruck, DIN EN 1997-2 (Eurocode 7) – Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik – Teil 2: Erkundung und Untersuchung des Baugrunds, DIN 18196 – Erd- und Grundbau – Bodenklassifikation für bautechnische Zwecke, DIN 4030-2 – Beurteilung betonangreifender Wässer, Böden und Gase – Teil 2: Entnahme und Analyse von Wasser- und Bodenproben
Fragen und Antworten
Was kostet ein CPT-Versuch in Stuttgart?
Der Preis für eine CPT-Sondierung in Stuttgart liegt zwischen €140 und €200 pro Meter. Die Kosten hängen von der erforderlichen Tiefe, der Zugänglichkeit des Geländes und der Art der Spitze (CPT oder CPTu mit Porenwasserdruck) ab. In der Endsumme sind die Anfahrt innerhalb des Stadtgebiets, die Messung mit 1 cm Auflösung und die Datenauswertung mit Bodenklassifikation enthalten.
Welche Informationen liefert der CPT-Versuch im Vergleich zur Bohrung?
Der CPT-Versuch liefert ein kontinuierliches Tiefenprofil mit Messwerten alle 1 cm, während eine Bohrung nur punktuelle Proben in Tiefenintervallen von 1 bis 2 Metern ergibt. Die Drucksondierung misst direkt den Spitzendruck und die Mantelreibung, aus denen die undränierte Scherfestigkeit, die Lagerungsdichte und der Reibungswinkel abgeleitet werden. Eine Bohrung ist nötig, wenn Proben für Laborversuche wie den Triaxialversuch benötigt werden.
Ist der CPT-Versuch für die Keuperböden in Stuttgart geeignet?
Ja, mit Einschränkungen. In den quartären Talablagerungen und den Neckar-Tonen erreicht die CPT-Sondierung optimale Ergebnisse. Bei stark verwittertem Gipskeuper mit hohem Anhydritgehalt oder in den massiven Sandsteinbänken des Stubensandsteins kann die Spitze jedoch auf unüberwindbaren Widerstand treffen. In diesen Fällen kombinieren wir die CPT mit einer Bohrung, um die harten Schichten zu durchörtern.
Wie tief können Sie in Stuttgart sondieren?
Unser Raupengerät mit 20 Tonnen Reaktionskraft erreicht in den typischen Stuttgarter Böden Sondiertiefen bis 25 Meter. Die tatsächliche Tiefe hängt vom Verlauf des Spitzendrucks ab – überschreitet er 50 MPa über mehrere Messpunkte, beenden wir den Versuch, um die Spitze nicht zu beschädigen. In den Auffüllungen des Neckar-Tals erreichen wir meist die geforderten Tiefen für Flachgründungen ohne Probleme.
Benötige ich eine Genehmigung für eine CPT-Sondierung in Stuttgart?
Nein, eine Drucksondierung nach DIN EN ISO 22476-1 ist ein zerstörungsfreier Feldversuch, der kein Bohrloch hinterlässt und keine Grundwasserleiter durchörtert. In Stuttgart ist lediglich die Standsicherheit des Geräts auf beengten Hanggrundstücken zu beachten – wir prüfen vor jedem Einsatz die Zugänglichkeit und die Tragfähigkeit des Untergrunds für das Raupenfahrzeug.